* Aufgabe des Anspruchs, ein experimenteller Funkdienst zu sein und lizenzfreie Räume im digitalen Universum besetzen (Modell Alfred)
Sri, hier fühle ich mich eindeutig missverstanden: Ich sehe keinen Grund dafür, diesen grundsätzlichen Anspruch aufzugeben; ich sehe aber jede Menge Gründe, unser ursprüngliches Tun ("Technik & Kommunikation per Funk") auf Zweckmäßigkeit und Machbarkeit zu überdenken und es dort, wo dies nicht mehr sinnvoll gegeben ist, ganz bewusst um leitungsgebundene Technik/Kommunikation zu erweitern. Ich betone: Zu erweitern, zu ergänzen - nicht zu ersetzen!
Ich will kein "Entweder - oder" - ich möchte ein "Sowohl - als auch"! Und wenn ich mir die Entwicklungen im Hobby ansehe (WWC, eQSO, iLink, IRLP, EchoLink, iGate, CQ100, HamSphere, D-Star, DMR, C4FM... - Vernetzung via Internet und natürlich sehr gern auch via Hamnet - dann läuft es ja ohnehin in diese Richtung! Auch dann, wenn viele das nicht wahrhaben wollen oder sich dagegen stemmen!
Zum besseren Verständnis dessen, was mir wirklich vorschwebt, füge ich hier nun doch einen Text ein, den ich im Kern schon 2009 so verfasst habe. Ich kann ihn 2016 noch immer unterschreiben, auch wenn ich den ersten Teil aus heutiger Sicht vielleicht etwas weniger untergriffig abfassen würde...
73, Alfred, OE5AKM
PS: Sri, dieser Anhang muss sein, weil ich offensichtlich noch immer missverstanden werde!
PPS: dl5ybz: "Schnittmengen" - das trifft es gut!
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Amateurfunk wird Amateur Radio
An der Wende von den 70er- zu den 80er-Jahren des vorigen Jahrhunderts erlebte der CB-Funk in Österreich seine Blütezeit. Der Amateurfunk beobachtete diese Entwicklung mit Reserviertheit: In vornehmer Zurückhaltung nahm er den Zulauf aus CB-Kreisen zwar auf, ließ den CB-Funk aber seine Überlegenheit und mitunter auch seine Verachtung deutlich spüren: Wohl befasste man sich auf beiden Seiten mit Technik und Kommunikation - aus Sicht der Funkamateure aber doch auf recht unterschiedlichem Niveau. Nicht wenige Hams grenzten sich daher ganz bewusst vom Jedermann-Funk ab: Als lizenzierter Funkamateur war man "wer" - und man war vor allem "besser"!
In gewisser Weise nahm die damalige Situation das heutige Verhältnis zwischen Funkamateuren und Internetfreaks vorweg: Auch heute befassen sich beide Gruppen mit Technik und Kommunikation, auf beiden Seiten gibt es neben der großen Masse ausgesprochene Könner und Spezialisten - und heute wie damals umgeben sich zahlreiche Old Men nur allzu gern mit dem Nimbus des Herrenreiters: Sie schauen distanziert und überlegen vom hohen Ross auf alles herab, was "nur" Internet ist und niemals Amateurfunk sein kann!
Die Frage ist: Wiederholen wir Funkamateure mit dieser Selbstabschottung nicht Fehler aus alten Zeiten? Brüskieren wir nicht abermals - diesmal allerdings ein Gegenüber, das weitaus potenter ist und zudem die Sympathien der Öffentlichkeit genießt? Ganz im Gegensatz zu uns "Störern", "Ortsbildverschandlern" und "Krankmachern"!
Wäre es nicht wesentlich klüger, die beiden "Welten" (die leitungsgebundene und die leitungsungebundene) nicht länger gegeneinander auszuspielen? Könnte man nicht beide Technologien innerhalb eines weiter als bisher verstandenen Technik- und Kommunikationshobbys zusammenführen, amateurmäßig betreiben und vom positiven Internet-Image profitieren? Und natürlich auch von den Möglichkeiten, die das Internet gerade in Verbindung mit dem Amateurfunk bietet?
Ansätze in diese Richtung gibt es in Österreich mindestens seit Inkrafttreten des Amateurfunkgesetzes 1998 bzw. der Amateurfunkverordnung 1999: Damals wurden erstmals offiziell von Seiten der Funkamateure Brücken (sogenannte Gates) zum Internet geschlagen - und je mehr es wurden, desto heftiger eskalierte der Streit: War das noch Amateurfunk - oder bereits Hochverrat?
Die Praktiker kümmerte das wenig: WWC, eQSO, iLink, IRLP, EchoLink, WIRES, iGate, APRS, D-Star, DMR, CQ100, HamSphere usw. breiteten sich in allen Teilen der Erde rasant aus und ermöglichten auch Funkamateuren ohne Kurzwellenzugang weltweites Amateurfunkfeeling.
Und wieder griff im deutschen Sprachraum das funkerische Establishment zu fragwürdigen Methoden: Anstatt die neuen Möglichkeiten als zusätzliches Betätigungsfeld
zu würdigen und sie als eigenständige, dem Amateurfunk dennoch eng verwandte Entwicklungen zu begreifen, diskreditierte man sie als Telefon, Amateurfunksimulation für Altersheiminsassen, Krückenfunk für Antennengeschädigte, Babyphone - kurz: als Strom im Draht - nichts weiter! Technisch kein Funk und daher auch nicht zum Amateurfunk gehörig. Punkt. Aus. Amen.
Nun weiß man freilich seit Ludwig Wittgenstein, dass die Grenzen unserer Sprache auch die Grenzen unserer Welt bedeuten. Das Wort Funk bzw. Amateurfunk zieht in Bezug auf unser Hobby eine solche Grenze, insofern es den "Drahtlosigkeitsaspekt" (engl. wireless) ganz stark in den Vordergrund rückt - viel stärker jedenfalls als etwa das angloamerikanische Amateur Radio. Zwar wird Amateurfunk in der Regel mit Amateur Radio übersetzt, bedeutungsmäßig sind die beiden Ausdrücke Funk und Radio aber nicht wirklich ident: Dies zeigt sich schon darin, dass man im Angloamerikanischen völlig ungeniert von Internet Radio(1) spricht, während das deutsche Gegenstück Internetfunk(2) praktisch nicht existiert. Mit anderen Worten: Radio kann auch dann noch als Radio durchgehen, wenn die Signalübertragung leitungsgebunden (z.B. via Internet) erfolgt; Funk setzt dagegen Leitungsungebundenheit voraus.
Dieser kleine aber beachtenswerte Bedeutungsunterschied zwischen den Begriffen Radio und Funk mag auch der Grund dafür sein, dass in englischsprachigen Ländern von Anfang an verhältnismäßig wenig Vorbehalte gegenüber Gates zwischen Amateur Radio und Internet bestanden, während der deutschsprachige Amateurfunk sich teilweise bis heute vehement dagegen wehrt: Die Grenzen unserer Sprache scheinen tatsächlich die Grenzen unserer Welt zu markieren - auch unserer Hobbywelt!
Langer Rede kurzer Sinn: Der Begriff Amateur Radio ist umfassender als seine deutsche Übersetzung Amateurfunk: Amateur Radio kann bei zeitgemäßer Interpretation neben klassischem Amateurfunk auch alle Spielarten von Amateur Radio over Internet Protocol (ARoIP)(3) integrieren. Wollen wir daher unser Hobby bewusst in Richtung ARoIP erweitern, sollten wir dafür unbedingt die bestehenden sprachlichen Hindernisse aus dem Weg räumen. Lassen wir also endlich auch im deutschen Sprachraum die bedeutungsmäßigen Grenzen des Begriffs Amateurfunk hinter uns und forcieren wir stattdessen den weitaus zukunftsoffeneren und international gebräuchlichen Begriff Amateur Radio.(4)
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1 Google findet für "internet radio" im Juni 2009 beispielsweise 18.300.000 Stellen, im Jänner 2012 bereits 60.600.000!
Diese rasante Zunahme zeigt deutlich, wohin sich der Begriff Radio entwickelt!
2 Für "Internetfunk" findet Google ebenfalls im Jänner 2012 lediglich 889 Stellen.
3 Amateur Radio over Internet Protocol (ARoIP): IP-basierte Kommunikation von Radio Amateuren untereinander unter behördlich registrierten Amateurfunkrufzeichen (HamNet, EchoLink, D-Star, DMR, HamSphere, QsoNet/CQ100 usw.)
4 Dies gilt sinngemäß auch für andere Zusammensetzungen mit dem Wort Funk: So würde beispielsweise der Funkamateur in analoger Weise zum Radio Amateur, der neuerem Begriffsverständnis zufolge nicht mehr auf Funk allein festgelegt ist.