Dienstag, 30. August 2016
Hinweis auf Alien-Zivilisation?Forscher empfangen Signal von Sternsystem
Von Kai Stoppel
Wissenschaftler entdecken ein ungewöhnliches Radiosignal von
einem fernen Stern. Aufgrund seiner Beschaffenheit könnte es von einer
intelligenten außerirdischen Zivilisation stammen - die möglicherweise
genau in Richtung Erde funkt.
Das vorneweg: Es sind (noch) keine Aliens entdeckt worden. Aber
ein Signal, das ein internationales Team von Wissenschaftlern aus einem
fernen Sternsystem empfangen haben will, sorgt derzeit für Furore unter
Astronomen. Denn es handelt sich um ein äußerst ungewöhnliches Signal.
Und es besteht die Möglichkeit, dass es von einer außerirdischen
Zivilisation möglicherweise genau in unsere Richtung gesandt wurde, wie
US-Astronom Seth Shostak in einer Mitteilung schreibt. Shostak ist Chef-Forscher beim Seti-Insitut, welches sich der Suche nach intelligentem außerirdischen Leben widmet.
Bereits
im Mai 2015 wurde das Signal von dem Ratan-600-Radioteleskop in der
russischen Kaukasusregion entdeckt. Allerdings hielten die Entdecker
ihre Informationen bis vor Kurzem zurück. Ein Vorgang, der bereits
ungewöhnlich ist - schließlich handelt es sich bei dem Forscherteam
ebenfalls um Seti-Astronomen.
Das Sternsystem, aus dessen Richtung
das Signal kommen soll, trägt den Namen HD 164595 und liegt im
Sternbild Herkules. Es ist rund 94 Lichtjahre von der Erde entfernt und
weist in einer Hinsicht eine große Ähnlichkeit zu unserem Sonnensystem
auf: Sein Stern ist fast genauso groß wie die Sonne. Allerdings ist er
mit 6,3 Milliarden Jahren deutlich älter. Bisher ist bekannt, dass das
System über mindestens einen Planeten verfügt, der etwa die Größe von
Neptun hat und in einem sehr engen Radius um den Stern kreist - was
Leben dort unwahrscheinlich macht. Allerdings ist nicht ausgeschlossen,
dass es noch weitere Planeten in dem System gibt.
Eine uns technisch weit überlegene Zivilisation denkbarUnd
auch wenn die Chance auf Entdeckung einer außerirdischen Zivilisation
nicht "furchtbar vielversprechend" ist, wie Shostak es formuliert: Die
Beschaffenheit des Signals hält die Seti-Forscher nicht davon ab,
bereits zu spekulieren, welchen technischen Entwicklungsstand eine
mögliche außerirdische Zivilisation haben müsste, um ein derartiges
Signal auszusenden.
Shostak nennt zwei Möglichkeiten: Sollten die
Aliens sich entschieden haben, das Signal in alle Richtungen
auszusenden, würde dieser gigantische Sender hundertmal so viel Energie
benötigen, wie in Form von Sonnenlicht auf die Erde fällt. Es würde sich
also um eine Zivilisation handeln, die uns technisch weit voraus wäre.
Nach der Kardaschow-Skala, welche die Entwicklungsstufen
extraterrestrischer Zivilisationen kategorisiert, wäre es eine
Zivilisation des Typs II. Eine, die in der Lage ist, die gesamte Energie
ihres Zentralgestirns anzuzapfen und zu nutzen. Denkbar wäre das etwa
mit einer sogenannten Dyson-Sphäre, die den gesamten Stern umschließt.
Laut
Shostak gibt es aber auch die denkbare Möglichkeit, dass eine
Alien-Zivilisation bei HD 164595 das Signal gezielt nur in unsere
Richtung sendet. Dafür wäre weit weniger Energie vonnöten. Allerdings
immer noch so viel, wie die gesamte Menschheit derzeit verbraucht. In
diesem Fall könnte es sich um eine Kardaschow-Zivilisation des Typs I
handeln, die immerhin die gesamte auf ihrem Planeten verfügbare Leistung
ausnutzen kann. Die Menschheit ist übrigens auf gutem Weg, eine
Typ-I-Zivilisation zu werden, ist aber derzeit noch eine des Typs 0.
Wir wurden vielleicht noch gar nicht entdecktWenn
es um HD 164595 tatsächlich eine hochentwickelte Zivilisation gibt -
hat sie uns demnach bereits entdeckt? Shostak hat da Zweifel.
Schließlich liege das System so weit entfernt, dass noch keine Fernseh-
oder Radarsignale von der Erde dort angekommen sein dürften. Denn diese
benötigen 94 Jahre von uns dorthin. Das erste Fernsehsignal wurde aber
erst vor etwa 89 Jahren gesendet.
Laut Shostak sind jedoch noch
einige Fragen um das entdeckte Signal offen. Etwa müsse noch geklärt
werden - auch wenn vieles dafür spricht - ob das Signal tatsächlich aus
dem besagten Sternsystem stammt. Auch könne die wirkliche Stärke des
Signals noch nicht abschließend bestimmt werden. Und zu guter Letzt: Bis
jetzt ist das Signal noch von keinem anderen Radioteleskop bestätigt
worden.
Doch die Seti-Astronomen haben bereits das "Allen
Telescope Array" - ein nördlich von San Francisco gelegenes
Radiointerferometer - in Stellung gebracht, um das in Russland entdeckte
Signal zu bestätigen. Seit zwei Tagen bereits suchen die Forscher, ohne
bisher fündig geworden zu sein. Allerdings müsse eine große Bandbreite
abgesucht werden, schreibt Shostak, was noch etwas dauern dürfte. In den
kommenden ein bis zwei Tagen soll es Gewissheit geben. Falls ja, würde
die Forschungsarbeit erst richtig beginnen.
Quelle: n-tv.de